Wenn Genuss zur Qual wird

15. Mai 2021

Immer häufiger kommt es vor, dass an sich gesunde KundInnen mit diffusen Beschwerden wie Ekzemschübe, Gelenksentzündungen, Schnupfen, Kopfweh oder Übelkeit zu uns kommen und berichten, dass einfach keine Ursache für ihr Leiden gefunden wird. Auch Patienten, die am Reizdarmsyndrom leiden, sind oft ratlos, weil bei der endoskopischen Untersuchung keine Diagnose gestellt werden konnte. Nicht selten wird dann fälschlicherweise eine Ursache psychosomatischer Natur vermutet. 

Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn möglicherweise könnte eine Nahrungsmittelintoleranz die Ursache sein. Jeder fünfte leidet an einer oder sogar mehreren Unverträglichkeiten.

Allergie oder Intoleranz?

Echte Nahrungsmittelallergien sind selten. Jedoch können auch Unverträglichkeiten sehr starke Symptome auslösen und für die Betroffenen dazu führen, dass entsprechende Speisen strikt gemieden werden müssen. 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind im Gegensatz zu Allergien dosisabhängig. Außerdem kann es bis zu zwei Stunden nach Kontakt mit dem jeweiligen Agens zu Symptomen kommen-also deutlich länger als bei einer Allergie. Das macht es oft schwer, den Zusammenhang zwischen Nahrungsmittel und Beschwerden herauszufinden.

Neben einer Sensitivität gegenüber Gluten, Fruktose, Laktose und Histamin können auch Lebensmittelzusatzstoffe wie beispielsweise Emulgatoren, Farbstoffe, Konservierungsstoffe Auslöser einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sein.

 Chia

Pflanzliche Alternativen, wie Soja-Joghurt mit Chiasamen, sind leckere Alternativen zu Milchprodukten.
Photocredit@Maria Wachouschek

Histaminintoleranz

Wird auch ein bitterbös als „Alles-was-Spaß-macht“-Intoleranz bezeichnet, da viele Genusslebensmittel wie Schokolade, Rotwein, Ananas, Käse oder ein leckeres chinesisches Essen den natürlichen Botenstoff Histamin enthalten oder freisetzen. Betroffene reagieren mit Herzrasen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Bauchweh oder juckendem Hautausschlag.

Histamin übernimmt in unserem Körper vielerlei Funktionen z.B. als Vermittler von Entzündungsprozessen, es hilft bei der Immunabwehr und unterstützt die Lernfähigkeit. Normalerweise wird der Botenstoff bereits im Darm durch das Enzym Diaminoxidase (DAO) wieder abgebaut. Ist jedoch nur unzureichend DAO vorhanden, kommt es zu einem temporären Histaminüberschuss, was zu Beschwerden führen kann. Stress, Infekte, starke körperliche Belastung und Alkohol können dies übrigens noch begünstigen.

Die gute Nachricht: Betroffene können mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln gezielt die Produktion von DAO ankurbeln und auf diesen Weg äußerst wirksam Symptome lindern.

Laktoseintoleranz

...die wohl bekannteste Unverträglichkeit, und das zu recht! Denn etwa 30% der Bevölkerung der westlichen Welt leiden unter Bauchweh, Blähungen und Durchfall nach dem Genuss von Eis, Joghurt, Cappuccino und Co. Grund dafür ist ein Mangel des körpereigenen Enzyms Laktase, welches den in Milchprodukten enthaltenen Zucker (Laktose) in Glukose und Galaktose aufspaltet. Findet dieser Prozess nicht oder nur unzureichend statt, gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm und wird hier von den ansässigen Bakterien unter Gasbildung zersetzt. Das wiederum führt zu genannten Darmbeschwerden.

Da Laktoseintoleranz so verbreitet ist, gibt es mittlerweile schon eine große Auswahl an alternativen Lebensmitteln, die keinen Milchzucker enthalten. Weiters kann auch hier mit Nahrungsergänzungsmitteln gearbeitet werden, die ein Ersatz-Enzym enthalten, welches die Laktose bereits im Magen aufspaltet.

 

Ganz ohne Mehl, mit viel Protein und Omega-3 Fettsäuren. Maria und Christines Lieblingsbrot. 
Photocredit@Maria Wachouschek

Glutenunverträglichkeit

Getreide gehört für uns zu einer ausgewogenen Ernährung einfach dazu. Es liefert uns wertvolle Ballaststoffe und durch Kohlenhydrate lebenswichtige Energie. Bei einigen Menschen ruft der Verzehr jedoch Übelkeit, Bauchweh und sogar Erbrechen hervor. Sie reagieren auf das enthaltenen Klebereiweiss Gluten. Diese Mischung aus Unverträglichkeit und Autoimmunerkrankung nennt man Zöliakie. Hier kommt es zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut, was dazu führt, dass manche Nährstoffe nur unzureichend aufgenommen werden können und Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Diese Überempfindlichkeit entwickelt sich meist im Kindesalter und bleibt dauerhaft bestehen. Damit sich die Dünndarmschleimhaut wieder erholen kann ist eine Ernährungsumstellung unverzichtbar. Glutenhaltige Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Grünkern, Einkorn oder Emmer können beispielsweise durch Hirse, Mais, Reis, Buchweizen, Amaranth, Quinoa oder Kartoffeln ersetzt werden.

Wenn Sie bei sich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vermuten, ist es eine gute Idee, ein Ernährungstagebuch zu führen. Dokumentieren Sie hier möglichst genau Art und Zeitpunkt der aufgenommenen Lebensmittel und der aufgetretenen Symptome. Das erleichtert Ihrem Arzt die Diagnosefindung.

Und auch wir nehmen uns gern Zeit, gemeinsam mit Ihnen in einem Beratungsgespräch der Ursache Ihrer Beschwerden auf die Spur zu kommen.

Herzlichst,

Ihre Dr. Kirsten Knape